Sensationeller Erfolg bei den Vattenfall Cyclassics in Hamburg
Erschöpft waren sie alle im Ziel angekommen. Und der erste Blick galt der Tacho-Uhr. Hat es wieder gereicht, oder war es dieses Jahr zu spät, um nochmals die volle Leistung zu bringen?! Man wusste, zwar, dass man wieder schneller geworden ist, aber hat es auch zum internen Bielefeld Sieg gereicht?
Wie auch im letzten Jahr nahmen wieder drei Teams aus Bielefeld bei den Hamburger Vattenfall Cyclassics teil. Mit dabei die orangenen Pedaleure vom Rennrad Team Allsports Brake. Schon im Juli zeigten sie, dass sie teils fast unmögliche Touren schaffen können. Damals ging es bis hoch nach Fehmarn und Hamburg passierte man zur Mittagszeit (wir berichteten).
Aber zurück zum Rennen. Am Vortag gab es leider die erste kleine Enttäuschung, da man nicht als komplettes Team in einem Block starten konnte. Aber nichts desto trotz, lies man sich die gute Stimmung nehmen, sodass man siegesgewiss am Abend vor dem großen Auftritt ins Bett ging.
Am nächsten morgen traf man sich noch zwischen Brötchen und Kaffee zur abschließenden Fahrerbesprechung. Die Zielvorgabe war schnell gesteckt – vor Bike Inn und den Platz 25 aus dem letzten Jahr in der Teamwertung verbessern. Klar war jedoch, dass es nicht einfach wird, da der im letzten Jahr bravourös gefahrene Teamleader Henning „TomTom“ Tonn berufbedingt absagen musste. Zudem hatten sich die Materialfetischisten vom Bike Inn hochkarätig verstärkt, indem sie sich mit einem Klasse Fahrer aus dem Mountainbike Bereich bedienten.
Dann war es soweit. 9.00 Uhr zeigte die Wettkampfanzeige und die ersten 500 Fahrer machten sich auf den Weg. Angeführt vom frischgebackenen Olympiasieger im Triathlon ging es auf die 100km „lange“ Strecke rund um und in Hamburg. Schnell formierten sich die ersten Gruppen und man versuchte sich möglichst weit vorne einzufädeln. Dies war jedoch bisher unbekanntes Terrain, sodass es zuerst etwas heikel war, die erkämpfte Position auch zu halten. Michael Baron war es dann, der den Vorstoß wagte und sich in die Spitzengruppe fuhr. Hier rollte es einfacher, jedoch musste man höllisch aufpassen, dass man in keinen Sturz verwickelt wurde. Michael „Oppa“ Ehlert und Frank Stahnke als „Benjamin“ der ersten Allsports Fraktion suchten ebenfalls ihr Heil in der Fluch. Dies wurde jedoch vom immer wieder herankommenden Feld verhindert.
Um 10.15 war es auch soweit für die beiden Youngster Mareike Walkenhorst und Malte Beversdorff, sowie für Tempobolzer Lutz Schönfeld. Im Feld der Bifi-Esser und Ernte-23-Raucher, war man nicht nur völlig unterfordert, sondern auch leicht geschockt darüber, was ein handelsübliches Trikot an Spannungskraft so alles aushalten muss. So war es auch nicht verwunderlich, dass man schnell die vorderen Gruppen erreichte und sie auch im Nu überholte. Dies hatte zur Folge, dass man von vielen „Windschatten-Lutschern“ ausgenutzt wurde. Kurz darauf machte man auch die Bekanntschaft mit dem ersten „Belgischen Kreisel“, wie es üblich ist im Radsport, wenn man sich die Führungsarbeit aufteilen möchte. Dafür ist jedoch nicht Jedermann geeignet und so wurde es erst einmal eine sehr unrhythmische Fahrweise. Nach kurzer Zeit hatte man aber auch diese Bremser auf sportliche art aussortiert. Es konnte endlich rollen.
Weiter vorn in der ersten Gruppe mauserte sich Michael Baron Platz um Platz weiter nach vorn. Schnell gewöhnte er sich an das enge Feld und fuhr geschmeidig wie eine Gazelle hindurch. Nur noch über die Hamburger Brücke hinüber und bergab nicht alles riskieren, sodass man wohlbehalten den Zielsprint einläuten kann. Im Windschatten seiner Vordermänner gab er alles und verlangte seinen Bananenreserven im Körper alles ab. Im Ziel angekommen hieß es erst mal durchatmen und locker ausrollen. Und natürlich warten auf die Ergebnisse. Kurz nach ihm kamen auch Frank Stahnke und Michael Ehlert ins Ziel. Beide schlugen sich tapfer im vorderen Feld. Und frank Stahnke hätte man eigentlich im Ziel die Fair-Play-Medaille umhängen müsse, wollte er doch für jeden kleinen Bremser eine größere Pause einläuten, damit auch die hinteren wieder rankommen. Aber Frank, im Radsport geht es nicht immer gerecht zu, dass kennen wir doch mittlerweile von den „ganz großen“ unseres Sports.
Für Mareike Walkenhorst ging es hinten nicht nur um die Teamwertung, sondern auch um die heiß umkämpfte Frauenwertung. Da hieß es auch für Malte Beversdorff und Lutz Schönfeld, dass es nun darum ging die Teamfähigkeit unter Beweis zu stellen und die eigenen Interessen etwas in den Hintergrund zu schieben. Und so puschte man sich über die Hügel Hamburgs und ließ sich von den fantastischen Zuschauern bejubeln. In der letzten langen Abfahrt ließ Lutz Schönfeld dann der Sicherheit vortritt und hielt sich etwas zurück. Malte und Mareike stürzten sich nun nämlich in „Alles-oder-Nichts-Manier“ den Berg hinunter.
Im Anstieg hinauf auf die Brücke kämpfte man dann gehörig mit dem Gegenwind, der unaufhörlich von vorn den Fahrern ins Gesicht peitschte. Doch auch dies konnte die letzten Drei Kämpfer aus Brake nicht aufhalten und so erreichte man in kurzen Zeitabständen das Ziel.
Hier hatten sich schon die beiden Michaels und Frank eingefunden. Zusammen genoss man noch einen Gerstensaft enthaltenen „Fitnessdrink“ und machte sich auf ins Fahrerhotel.
Hier galt es nun noch etwas auszuschwitzen und die verlorene Flüssigkeit wieder aufzufüllen. Schnell hatte man auch die ersten Zwischenergebnisse über Handy erhalten, sodass die Feier langsam anfing. Ersten Hochrechnungen zufolge hatte man zwar nur knapp gewonnen. Aber Sieg ist Sieg und das war auch das gesetzte Ziel. Und wenn es einmal zu laufen scheint bei den All Sports Rennern, dann richtig. Beim Abendessen kam die frohe Kunde, dass Mareike Walkenhorst die Frauen Altersklasse gewonnen hatte und Michael Baron sogar den 5. Platz in der Senioren Wertung erkämpfte. Zünftig wurde gefeiert und die Hamburger Innenstadt zur Partyzone erklärt.
Als man nachts im Hotel wieder ankam legte „Teddy-Taste“ am Piano noch mal richtig los und stimmte den Queens-Klassiker „We are the Champions“ an.
Früh am morgen gingen dann auch Michael Ehlert und Malte Beversdorff nach einem remis-endendenden Wettkampf an der Hotelbar ins Hotel. Ein Verlierer hätte auch zu diesem Wochenende nicht gepasst.
Ein kleiner Aufruf noch an alle Leserinnen und Leser. Wer Lust hat einmal das Feeling von Freiheit und Unabhängigkeit zu erleben, sprich einfach auch ein bisschen Rennrad zu fahren, der melde sich bitte unter 0521-9774277. Vorraussetzung dafür sind ein Helm, körperliche Fitness und geeignete Kleidung. Mit einem Rad kann zur Not am Anfang ausgeholfen werden.
